Erziehung

Charmant, fröhlich, ein echter Menschenfreund und mit ihrem außergewöhnlichen Aussehen ein zuckersüßer Hingucker: Die Französische Bulldogge gilt nicht grundlos als eine der beliebtesten Hunderassen in Deutschland. Hinter ihrem verhältnismäßig großen Kopf verbirgt sich aber auch eine ordentliche Portion Sturheit, Eigensinn und Sensibilität. Damit muss man umgehen können. Wir verraten Ihnen, wie es mit dem Wesen der Französischen Bulldogge klappt.

Beste Voraussetzungen für eine schöne gemeinsame Zeit mit der Französischen Bulldogge

Schon gewusst? Die Tierschutzorganisation Tasso führt die Französische Bulldogge als sechstbeliebteste Hunderasse in Deutschland. Aber: Ein Blick in die Welpenstatistik des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) von 2024 verrät, dass sie da nicht einmal in der Nähe der Top 25 ist.

Was bedeutet das? Es besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen professionell, kontrolliert gezüchteten Französischen Bulldoggen und dem weitläufigen Massenmarkt. Eine ordentliche, ethische und umsichtige Zucht kann nicht nur Einfluss auf die spätere Gesundheit des Tieres, sondern ebenso auf Verhaltensweisen haben.

Wer selbst einmal einen Blick auf besonders prächtige Vierbeiner werfen möchte, kann das beim Internationalen Klub für Französische Bulldoggen e.V.: Den gibt es schon seit weit mehr als 100 Jahren, seit vielen Jahren werden jährlich [url=https://ikfb.de/pages/ikfb-champions.html]Bully-Champions[/url] gekürt – die nicht selten etwas argwöhnische Namen wie „Karl-Gustaf von Himmelkron“ oder „Brave Phoebe in Honor of Lancelot“ tragen.

Welche Herausforderungen erwarten Halter der Französischen Bulldogge bei der Erziehung?

Die Französische Bulldogge ist ein umgänglicher Hund, der im Regelfall gut in Kinder- und erstmalige Tierhaushalte passt. Aber die kleinen Vierbeiner sind nun einmal Lebewesen mit einem ganz eigenen Kopf, einige Herausforderungen wird es also schon geben. Darauf sollten vor allem erstmalige Halter und Halterinnen vorbereitet sein.

1. Stur und etwas dickköpfig

Die Rasse gilt nicht unbedingt als „gehorsam“, zumindest nicht in übertriebenem Ausmaß. Sie sind sehr gefühlsbetont, loten sporadisch ihre Grenzen (und die ihrer Halter) aus und lieben es generell in einem gesunden Maß unabhängig zu sein. Als reizselektiv gelten sie ebenfalls: Sie hören also, speziell ohne Training, nicht unbedingt auf jedes Kommando.

2. Sehr menschenbezogen

Wer sich eine Französische Bulldogge zulegt, erhält einen treuen Freund – der ungern ignoriert oder für längere Zeit allein gelassen wird. Französische Bulldoggen lieben Nähe, Aufmerksamkeit, werden gern gelobt und kuscheln gern. Im Umkehrschluss kann sich daraus aber auch schnell eine stressvolle Trennungsangst ergeben.

3. Überschätzen sich manchmal

Französische Bulldoggen toben gern, manchmal wirken sie etwas überdreht. Das ist insofern zu berücksichtigen, weil sie als brachyzephale Rasse oftmals Atemprobleme und eine verhältnismäßig geringe Belastbarkeit haben. Körperlich stoßen sie schnell an ihre Grenzen, selbst wenn sie es selbst gar nicht bemerken. Herrchen und Frauchen sollten das beachten: Beim Training aber auch beim Spielen.

4. Geringe Frustrationstoleranz

So liebevoll sie auch sind, staut sich bei ihnen relativ schnell Frust auf – der sich dann direkt entlädt. Bullys neigen zu einem überdrehten, frustrierten oder manchmal gelangweilten Verhalten, bei dem sie dann eine Zeit lang das machen, was sie wollen – auch wenn ihre Halter es eben nicht wollen. Gut erkennbar ist das am häufigen Fiepen, wenn sie zu grob spielen, an der Leine zerren oder ständig wie verrückt hochspringen.

Typische Anfängerfehler in der Erziehung der Französischen Bulldogge – und wie sie sich vermeiden lassen

Keine Sorge, der perfekte Halter fällt selten vom Himmel. Aber die Vierbeiner lernen schnell und mit einer gesunden Portion Durchsetzungsvermögen und Geduld können auch Bully-Anfänger ihren Schatz bald noch besser beherrschen. Übrigens: Französische Bulldoggen sind ziemliche Naschkatzen. Daher reagieren sie beim Training sehr gut auf Leckerlis und Co. Das kann vor allem Anfängern helfen.

1. Die Französische Bulldogge hört nicht und ignoriert Kommandos – Gehorsam und Aufmerksamkeit

Typische Anfängerfehler hier wären:

– Kommandos werden stur immer wieder wiederholt
– Kommandos zu laut und aggressiv sprechen (sie sind sensibel!)
– Trainingseinheiten sind zu lang und die Tiere werden überfordert
– es gibt viel zu viel Ablenkung in der unmittelbaren Umgebung

Besser machen Sie es so:

– Kommando nur einmal sagen, dann neu ansetzen
– Kommandos mit ruhiger Stimme und unter Blickkontakt abgeben
– Trainingseinheiten auf maximal 5 Minuten begrenzen
– anfängliches Training in reizarmen Umgebungen abhalten
– eine hochwertige Belohnung (Nascherei) bereithalten
– zusätzlich Handzeichen einsetzen, da Bullys auch auf visuelle Kommandos reagieren

2. Der Hund zieht ständig und zu stark an der Leine – Leinenführung und Verhalten draußen

Typische Anfängerfehler wären:

– einfach weiterlaufen
– ein enges Halsband anlegen (aufgrund der Atemprobleme bei Bullys besonders schlecht)
– die Leine aus Frust immer wieder verkürzen und kurzhalten

Besser machen Sie es so:

– Brustgeschirr statt Halsband verwenden
– Stop-and-Go: stehen bleiben, Leine locker halten, weitergehen
– Richtungswechsel bei starkem Zug
– Belohnung, wenn der Hund die Leine locker hielt

3. Der Hund bellt unkontrolliert und ständig sehr laut – Unsicherheit und Angst

Typische Anfängerfehler hier sind:

– den Hund bewusst stressigen und angstauslösenden Situationen auszusetzen
– der Versuch ihn mit hoher Stimme zu trösten (verstärkt das Angstgefühl eher)
– Hund immer direkt hochnehmen oder anschreien

Besser geht es so:

– Routinen für Stressabbau schaffen, beispielsweise durch ruhige Spazierwege und Kuscheleinheiten
– auf die eigene, bewusst ruhige Körpersprache achten und zunächst Distanz aufbauen
– auf Besucher und stressige Situationen vorbereiten, durch feste Rituale und mit Leckerlis an Lieblingsplätzen
– nachhaltig das Selbstbewusstsein stärken, durch kleinere Aufgaben, in denen sich Erfolgserlebnisse sammeln lassen

4. Die Französische Bulldogge überdreht, schnappt im Spiel und ist zu grob – Spielverhalten und Impulskontrolle

Typische Anfängerfehler sind:

– die eigenen Hände als Spielzeug zweckentfremden (das fördert Schnappverhalten)
– wildes Raufen, bei dem Französische Bulldoggen zügig überdrehen
– keine klaren Grenzen setzen
– Impulse nicht kontrollieren können (weil beispielsweise Kommandos wie „Nimm“ oder „Warte“ nie gelernt wurden)

Besser geht es so:

– es ist immer passendes, für den Hund geeignetes Spielzeug vorhanden
– Spielsequenzen werden kurz gehalten mit klaren Pausen
– Impulskontrolle-Kommandos wie „Aus“ oder „Warte“ frühzeitig etablieren
– Schleckmatten und Kaubeschäftigungen bereithalten, um den Vierbeiner wieder „runterzubringen“
– bei spürbarer Überdrehung: sofort auf Ruhe umschalten, kein körperliches Spiel mehr

Außerdem gilt grundlegend: Französische Bulldoggen werden, ebenso wie andere Hunde, niemals körperlich bestraft – das zerstört das Vertrauen sofort und womöglich dauerhaft. Außerdem sind sie keine Jagd- oder Rennhunde: Herrchen und Frauchen können mit einer Französischen Bulldogge mitunter nicht das machen, was andere Hundehalter mit ihren Vierbeinern machen. Auf dem Rad den Bully beispielsweise nebenher joggen lassen? Eher sehr schwierig.

Beobachtungspunkte: Gesundheit und Verhalten der French Bulldogs im Blick behalten

Selbstverständlich müssen Französische Bulldoggen eine gesunde Portion Eigenständigkeit und Autonomie entwickeln, vor allem im Hinblick auf die Neigung zu großer Trennungsangst. Dennoch gilt die Rasse generell als relativ anfällig, es schadet also keinesfalls, häufiger einmal genauer hinzuschauen. Dafür können Sie bei zwei Punkten ansetzen.

Gesundheitliche Beobachtungspunkte

Achten Sie auf eine schwere Atmung und Röcheln, insbesondere bei höheren Temperaturen, da die Tiere sehr hitzeempfindlich sind. Behalten Sie zudem die Augen im Hinblick auf einen erhöhten Tränenfluss und Rötungen im Blick. Die Hunde sollten natürlich nicht lahmen und keinen steifen Gang entwickeln. Behalten Sie zudem das Gewicht im Auge, denn Bullys neigen sehr zu Übergewicht.

Verhaltensspezifische Beobachtungspunkte

Überdreht die Französische Bulldogge und wird hyperaktiv, ist das meist kein Zeichen von Freude, sondern von Stress. Wird das Tier häufiger sehr schnell aggressiv, könnten Atemprobleme oder Schmerzen dafür verantwortlich sein. Sofern die Tiere zittern, anklammern oder ein Vermeidungsverhalten zeigen, ist noch stärker auf das Training zu achten – außerdem empfiehlt sich ein Gesundheitscheck. Sofern die Französische Bulldogge selbst im Wachzustand laut „schnarcht“, sollten die Atemwege vom Tierarzt geprüft werden. Nicht zuletzt immer daran denken: Bullys benötigen viele Pausen, sie sind keine belastbare Rasse.

Tipps & Tricks zur Erziehung der Französischen Bulldogge in unterschiedlichen Lebensphasen

1. Welpenalter (8 bis 20 Wochen)

– Vertrauen und Bindung aufbauen, Sozialisation vorantreiben
– Erlernen des Namens, Rückrufs und Sitz- sowie Platz-Kommandos
– Stubenreinheit entwickeln
– Impulskontrolle (kurz warten bevor gefuttert wird), sanft an die Umwelt gewöhnen (vor allem in Großstädten)

2. Junghundphase (5 bis 18 Monate)

– Frustrationstoleranz aufbauen und Impulskontrolle verstärken
– In der Pubertät reizen Bullys Grenzen besonders gern aus
– Leinenführigkeit verstärken
– Begegnungstraining mit Ruhe

3. Erwachsenenalter (1,5 bis 7 Jahre)

– Stabilität und Alltagssicherheit schaffen
– regelmäßige Signale festigen und verstärken
– Futterspiele, Tricktraining und Spiele zur Nasenarbeit anbieten
– regelmäßige Gesundheitschecks

4. Seniorenalter (ab 7 Jahre)

– körperliche Schonung ist vermehrt angesagt
– Gassirunden kürzer und ruhiger halten
– besonders stark auf das Gewicht achten
– Spiele entwickeln, die eher mental als körperlich fordernd sind

Mit diesen Tipps und Tricks, einem geschulten Blick und einer gesunden Portion Geduld klappt es bestimmt mit der Erziehung der Französischen Bulldogge – dann haben Sie einen echten, ungemein treuen und süßen Freund gewonnen.